Märchen sind eine besondere Art von Geschichten. Allein schon das Wort »Märchen« weckt in uns Erwartungen nach Wunderbarem.

Was sind Märchen? Warum können Tiere in Märchen sprechen, wie dieser Froschkönig?

Was sind Märchen? Warum können Tiere in Märchen sprechen, wie dieser Froschkönig?

Das ist zwar richtig, dennoch ist nicht automatisch jede Geschichte, in der irgendetwas Nicht-Reales geschieht, ein Märchen.

»Harry Potter« beispielsweise gehört ins Genre der Fantasy und die Geschichten von Struwwelpeter & Co. sind keine Märchen, sondern Kinderliteratur mit moralisch-belehrender Absicht. Also: Was sind Märchen?

»Märchen« – das Wort ist also ein Sammelbegriff für wunderbare Geschichten aller Art, in denen tatsächlich auch Nicht-Reales geschieht.

Das Wort »Märchen« stammt vom mittelhochdeutschen Wort »maere« ab, was so viel wie »Kunde« oder »Botschaft «bedeutet. Ein Märchen, die Verkleinerungsform von Mär, ist also eine kleine Kunde, eine kleine Botschaft, und vor allem die Volksmärchen sind kleine Botschaften, die so bedeutungsvoll sind, dass sie über Generationen hinweg weitererzählt wurden.

Im Grunde sind Märchen Geschichten für Erwachsene. Erst in jüngster Zeit mit den Märchen von Andersen und Grimm gelten sie als typische Kinderliteratur.

Es sind insbesondere die unbekannten Märchen, die bei Erwachsenen Anklang finden, da sie über die Klischees: „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“, die häufig in Kunstmärchen vorkommen, hinausgehen.

Märchensprache ist Bildersprache und Symbolsprache. Märchen wirken aufgrund ihrer Bilder. Genauso sind die in den Märchen vorkommenden Gestalten keine menschlichen Individuen, sondern Typen, Figuren.

Um deutlich zu machen, wie sehr wir uns heute noch im Alltag der in Märchen vorkommenden Bildersprache bedienen, hier ein paar Beispiele: Wir haben Schmetterlinge im Bauch oder schweben auf einer rosaroten Wolke; wir kochen vor Wut und manchmal dreht sich uns der Magen um.

Wir greifen vor allem dann zur Bildersprache, wenn es sich um Gefühle handelt, um ganz wesentliche Dinge, die sich gar nicht anders ausdrücken lassen und bei denen unsere logisch-abstrakte Sprache versagt. Diese Bildersprache ist in der Regel emotional besetzt, sie lässt nicht gleichgültig, sie bewegt innerlich, sie regt an − uns und unsere Phantasie, sie fordert zur Auseinandersetzung auf.

(Quelle: Ein Koffer voller Märchen, S. 11 ff.)

Zitate berühmter Märchenherausgeber


 

Frederik Hetmann

In einer Zeit, da Unkenntnis des Abweichenden zu Furcht, Fremdenhass und Gewalttätigkeit führt, lässt uns Märchen das Andere eines fremden Landes, einer anderen Kultur besser verstehen.

Sabine Lutkat

Märchen erzählen davon, wie wichtig es ist, sich auf den eigenen Weg zu machen, sich den Gefahren und Aufgaben dabei zu stellen und welche wunderbare Hilfe uns dann zuteilwerden und das Leben gelingen kann.

Heinrich Dickerhoff

Märchen muten uns das Unheimliche zu, denn wie man nur Schwimmen im Wasser lernen kann, so kann man Lebensmut nur lernen, wenn man die Angst berührt.

Johannes Fiebig

Märchen, Mythen, Träume sind notwendige Bezugspunkte der persönlichen Orientierung, um den eigenen Weg zu verstehen und den nächsten Schritt zu gehen.

Verena Kast

Märchen sprechen in einer Symbolsprache und bringen die Bilder in unserer Psyche in Bewegung.

Hans Dieckmann

Überall, wo der Mensch in etwas Neues übergreift, etwas bisher nicht Gekanntes oder Gekonntes sich zu eigen macht, geschieht etwas Ähnliches wie der Übergang des Märchenhelden aus der Alltagswelt in ein magisches Reich.“