Irische Märchen

Märchen aus aller Welt

Irland ist die Insel der tausend Legenden. In keinem Land Europas ist die mündliche Märchenüberlieferung so lebendig geblieben wie in Irland. Stärker als in anderen Ländern knüpfen die Märchen an die Motive und Themen der Barden an. Von Königssöhnen und Helden wird berichtet, von der Mythengestalt Deirdre, deren Schicksal auch die modernen Schriftsteller nicht los lässt. Daneben spielen Tiere eine wichtige Rolle, vor allem aber die Geister und Feen, die für die Iren Wirklichkeit besaßen.

Leseprobe


 

Der Hahn und das vierblättrige Kleeblatt – aus dem Märchenbuch „Irische Märchen“ von Frederik Hetmann

Vor langer Zeit wurde einmal in Dingle ein großer Jahrmarkt abgehalten, und Leute von überall her kamen herbei. Unter all dem Volk war auch ein

Schausteller, der ließ einen Hahn die Straße hinauflaufen, und der Hahn zog hinter sich drein einen schweren Balken, der an seinem Bein festgebunden war. Jedenfalls meinten die Leute, dass es ein Balken sei, und alle rannten sie hinterdrein, Straß-auf, Straß-ab, und zahlten jeder einen Penny, um dieses Wunder bestaunen zu dürfen. Da kam ein alter, kleiner Mann in die Stadt, der auf seinem Rücken eine Last Binsen trug. Er wunderte sich, warum all das Volk dem Schausteller mit seinem Hahn nachlief. Alles, was er sehen konnte, war nämlich ein Strohhalm, den der Hahn hinter sich dreinzog. Er meinte, die Menschen müssten verrückt geworden sein, und fragte einige, um sich zu vergewissern, ob noch bei ihm im Kopf alles stimme. Sie antworteten: »Siehst du nicht das große Wunder? Siehst du nicht den gewaltigen, schweren Balken, den der Hahn hinter sich herschleppt?«

»Ach was«, sagte der alte Mann unwirsch, »er zieht doch nur einen Strohhalm, was ist da schon weiter dabei.«

Streit entstand. Das hörte der Schausteller und ging zu dem Alten hin. Er nahm ihn beiseite und fragte ihn, wieviel er für die Last Binsen auf seinem Rücken verlange.

Der alte Mann nannte eine Summe. Um die Wahrheit zu sagen, ich weiß nicht, wie hoch sie war, aber wie hoch sie auch immer gewesen sein mag, der Schausteller zahlte sie, mehr noch, er gab doppelt so viel, wie der alte Mann verlangt hatte.

Sobald der Schausteller ihm die Last Binsen abgenommen hatte, zweifelte der alte Mann abermals an seinen Sinnen, denn nun sah er da, festgebunden an den Hahnenfuß, auch einen schweren Balken. Er fuhr sich mit der Hand über die Augen, aber es blieb bei dem Balken.

Der Alte lief aus der Stadt und verstand die Welt nicht mehr. Was er nie erfuhr, war dieses:

An der Last Binsen, die er auf dem Rücken getragen hatte, war ein vierblättriges Kleeblatt festgebunden gewesen; das machte ihn die Wahrheit sehen, solange es ihm gehörte.

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Das Märchenbuch: Irische Märchen – zum Erzählen und Vorlesen von Frederik Hetmann (Hg.)

Aus der Fülle des Quellenmaterials hat der Herausgeber die schönsten Märchen und Feengeschichten zusammengestellt. Seine Auswahl spiegelt wider, was für die irische Märchenwelt bezeichnend ist. Stärker als in anderen Ländern knüpft sie an die Motive und Themen der Barden an. Sie handeln von Königssöhnen und Helden, Tieren und Feen und Geister, die für die Iren Wirklichkeit besaßen.

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Irische Märchen Buch

Irische Märchen

Hetmann, Frederik
Deutsche Erstausgabe
Hardcover, m. Fadenheftung & Lesebändchen
14 cm x 21,5 cm, 192 S.