Märchen zur Trauerverarbeitung

Der Tod wird auch in Märchen immer wieder aufgegriffen und spielt unterschiedliche Rollen. Nicht immer den Bösen, sondern manchmal auch den Erlösenden oder wie in diesem Märchen den Mittelsmann für die Überfahrt in eine andere, wunderschöne Welt.

Frau Holles Apfelgarten – Ein Märchen aus dem Buch „Märchen von Gärten“

Es geschah einmal, dass im Garten der schönen Frau Holle die Apfelbäume nicht mehr gediehen. Nun lebte aber unten auf der Erde eine alte Frau und deren Apfelbäume standen im Frühling in herrlicher Blüte und wenn der Herbst kam, senkten sich die Äste voll reifer Äpfel.

Da sprach die schöne Frau Holle zu ihrem Liebsten, dem Junker Tod: »Reite hinab zur Erde und hole mir die Alte herauf. Sie hat nun lange genug auf der Erde gelebt.«  Und so ritt der Junker Tod hinab zu der Erde, klopfte bei der Alten und sprach zu ihr: »Du hast nun so lange auf der Erde gelebt. Im Garten der Schöne Holle gedeihen die Apfelbäume nicht mehr. Deshalb soll ich dich abholen, dass du dort die Apfelbäume pflegst.«

Nun hatte die Alte hatte überhaupt keine Lust, die Erde jetzt schon zu verlassen und sie sprach zum Tod: »Dann hab‘ ich jetzt auch noch eine Bitte: Lass uns noch einmal Karten spielen. Weißt du, ich habe am Kartenspiel immer eine Freude gehabt. Und wir machen es so, gewinne ich, dann musst du mich hier lassen, gewinnst du, darfst du mich mitnehmen.«

SpielkartenDer Tod war einverstanden und dachte, dass er die Alte im Kartenspiel leicht besiegen könnte. Er wusste aber nicht, dass das Haus der Alten an einer Heerstrasse lag und die Alte hatte immer mit den Landsknechten Karten gespielt. Sie kannte alle Kniffe. Die Alte mischte die Karten und gewann. Der Junker Tod runzelte die Stirne und sprach: »lass uns noch einmal spielen.« Dieses Mal mischte er die Karten. Aber siehe, wieder gewann die Alte und der Junker Tod sprach: »Jetzt lass uns noch einmal spielen!«

Die Alte erwiderte: »Gut, aber mehr als drei Spiele werden nicht gespielt. Das ist hier der Brauch. Über die Zahl drei bin ich nie hinweg gegangen und ich mache bei dir auch keine Ausnahme.«

Also spielten sie das dritte Siel. Wiederum gewann die Alte und sie sprach zum Junker Tod: »Was gehen mich die Apfelbäume deiner Liebsten an, mir gefällt es noch in meine Garten, hier auf der Erde.«

So ritt der Junker Tod traurig hinauf in den Garten der schönen Holle. Als er nun allein kam, da zürnte diese mit ihm und sprach: »Du darfst so lange mein Lager nicht mehr mit mir teilen, bis du mir die Alte heraufgebracht hast.«

Nun kamen die zwölf Heiligen Nächte und der Junker Tod wusste, dass in diesen Nächten jedem die Türe geöffnet wer­den musste und sei es auch der größte Feind.

Er ritt wieder hinab zu der Alten und pochte an die Tür. Die Alte öffnete. Sie war je­doch nicht sehr erfreut, als der Tod schon wieder sah. Der Junker Tod sprach: »In diesen zwölf Nächten hat jeder einen Wunsch frei, reite mit mir bis zur Gar­tenpforte meiner Liebsten und schau hinein. Und ich ver­spreche dir, wenn du nicht dort bleiben willst, werde ich dich wieder zurückbringen.«

Die Alte sprach: »Gut, ich kann dir diesen Wunsch nicht abschlagen, aber du musst es mir jetzt auch schwören und du weißt ein Schwur, ein Eid in den zwölf Nächten ist das Zwölffache wert.« Und der Junker Tod, der schwor, dass er sie wieder zurück­bringen würde zur Erde, wenn es ihr nicht gefallen würde und sie ritten hinauf in den Paradiesgarten.

Dort öffnete der Tod  das Tor einen Spalt und sprach: »Schau einmal hinein.« Die Alte schaute durchs Tor und da sah sie die schöne Holle und die hatte eine Krone auf aus lauter Sternen und sie war umgeben von lauter schönen jungen Mädchen. Aber die Apfelbäume, die sahen kläglich aus.

Da fragte der Junker Tod die Alte: »Wie gefällt dir denn der Garten, wie gefällt dir meine Liebste.« Ja, er gefällt mir schon, aber siehst du deine Liebste, sie ist umgeben von lauter jungen Frauen und schau doch mal an, wie alt und runzlig ich bin.«

Märchen Gärten

Märchen Gärten

Da sprach der Tod zu ihr: »Ja, weißt du denn nicht, wenn dich meine Liebste berührt, dann wirst du auch wieder jung und schön.«

»Ja,« zürnte da die Alte, »weshalb sagst du mir denn das nicht gleich und lässt mich noch drei Mal mit dir Karten spielen.« Und sie sprang hinein durch das Tor, die schöne Holle berührte sie, da war die Alte wieder jung und schön geworden.

Dann aber machte sie sich an die Pflege der Apfelbäu­me und seither gedeihen die Apfelbäume im Garten der Holle immer wunder­bar und der einen Apfel von diesen Bäumen bekommt verliebt sich alle Welt in einen

Ein Märchen aus Litauen aus dem Buch Märchen von Gärten, Sigrid Früh, Königsfurt-Urania Verlag, ISBN: 9783868260434, € 6,99.