Irische Märchen

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Der Hahn und das vierblättrige Kleeblatt

– aus dem Märchenbuch „Irische Märchen“ von Fr

ederik Hetmann

Vor langer Zeit wurde einmal in Dingle ein großer Jahrmarkt abgehalten, und Leute von überall her kamen herbei. Unter all dem Volk war auch ein

Schausteller, der ließ einen Hahn die Straße hinauflaufen, und der Hahn zog hinter sich drein einen schweren Balken, der an seinem Bein festgebunden war. Jedenfalls meinten die Leute, dass es ein Balken sei, und alle rannten sie hinterdrein, Straß-auf, Straß-ab, und zahlten jeder einen Penny, um dieses Wunder bestaunen zu dürfen. Da kam ein alter, kleiner Mann in die Stadt, der auf seinem Rücken eine Last Binsen trug. Er wunderte sich, warum all das Volk dem Schausteller mit seinem Hahn nachlief. Alles, was er sehen konnte, war nämlich ein Strohhalm, den der Hahn hinter sich dreinzog. Er meinte, die Menschen müssten verrückt geworden sein, und fragte einige, um sich

zu vergewissern, ob noch bei ihm im Kopf alles stimme. Sie antworteten: »Siehst du nicht das große Wunder? Siehst du nicht den gewaltigen, schweren Balken, den der Hahn hinter sich herschleppt?«

»Ach was«, sagte der alte Mann unwirsch, »er zieht doch nur einen Strohhalm, was ist da schon weiter dabei.«

Streit entstand. Das hörte der Schausteller und ging zu dem Alten hin. Er nahm ihn beiseite und fragte ihn, wieviel er für die Last Binsen auf seinem Rücken verlange.

Der alte Mann nannte eine Summe. Um die Wahrheit zu sagen, ich weiß nicht, wie hoch sie war, aber wie hoch sie auch immer gewesen sein mag, der Schausteller zahlte sie, mehr noch, er gab doppelt so viel, wie der alte Mann verlangt hatte.

irische schafe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sobald der Schausteller ihm die Last Binsen abgenommen hatte, zweifelte der alte Mann abermals an seinen Sinnen, denn nun sah er da, festgebunden an den Hahnenfuß, auch einen schweren Balken. Er fuhr sich mit der Hand über die Augen, aber es blieb bei dem Balken.

Der Alte lief aus der Stadt und verstand die Welt nicht mehr. Was er nie erfuhr, war dieses:

An der Last Binsen, die er auf dem Rücken getragen hatte, war ein vierblättriges Kleeblatt festgebunden gewesen; das machte ihn die Wahrheit sehen, solange es ihm gehörte.

Japanische Märchen

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Moi Uekata und seine fromme Mutter aus dem Märchenbuch „die schönsten japanischen Märchen“ von Rotraud Saeki (Hg.)

Die Mutter von Moi Uekata war eine sehr gottesfürchtige Frau, und sie hatte das Bedürfnis, den Himmlischen so oft wie möglich eine Gebetsfeier zu halten.

Sie saß mit Hingabe vor dem Schreinaltar und betete die frommen Worte. Moi, ihr Sohn, sah das eine ganze Weile mit an, dann dachte er: »Man muss diese häufige Beterei irgendwie abstellen, es ist einfach zu oft.« Als die Mutter wieder einmal den Altar aufsuchte und sich davor hinkniete, setzte sich Moi dicht neben sie. Und als sie im Gebet versunken war, begann der Junge auf ein-mal, sie am Ärmel zu ziehen.

Die Frau unterbrach ihre Beterei kurz und fragte den Sohn mit abwesendem Gesicht: »Was willst du denn?« Und ohne auf eine Antwort zu warten, fiel sie ins Gebet zurück.

Nach kurzer Zeit zerrte Moi plötzlich wieder an ihrem Ärmel, sie schaute sich nach ihm um und meinte vorwurfsvoll: »Moi, warum störst du mich denn immer? Warte gefälligst, bis ich fertig bin!«

Damit wandte sie sich wieder ihrem Gebet zu. Sie war eben gera-de zur Mitte der langen Anrede an die Götter gekommen, da zog sie der Sohn wiederum heftig am Ärmel.

Die Mutter wurde nun endlich böse und schalt Moi: »Warum störst du mich denn so ungezogen? Höre sofort auf mit dem Unfug!«

Da sagte der Sohn: »Mutter, ich meine, wenn du die Götter jeden Tag, morgens und auch noch abends anrufst und ihnen die Ohren vollbetest, dass sie sich dann nicht sehr freuen. Diese andauernde Singerei ist ihnen lästig, und sie werden unzufrieden werden. Sie wollen, genauso wie du eben, nicht ständig gestört werden. Ich kann mir vorstellen, dass es genug ist, wenn man für die Himmlischen jeden Monat am 1. und 15. Tag eine Feier abhält!«

 

Keltische Märchen

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Pferde Märchen

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Das Pferd der Laima aus dem Märchenbuch „Pferde-Märchen“ von Sigrid Früh und Wolfgang Schultze

In der Johannisnacht muss man um zwölf Uhr in den Wald gehen, aus Tränen einen Kreis machen und dann in denselben treten. Alsdann muss man dreimal laut rufen: »Laima, schicke mir dein Ross!«

Hat man dies getan, so erscheint ein Geist von furchtbarem Aussehen, doch darf man vor demselben nicht erschrecken. Der Geist fragt dann: »Was willst du von mir?«

»Du sollst mich tragen«, muss man dann antworten.

»Ich trage dich an den Unglückssee, denn dorthin gehöre ich«, spricht darauf der Geist.

»Nein, du gehörst zum Glückssee und dorthin trage mich«, muss man dann erwidern. Darauf verwandelt sich der Geist in ein feuriges Ross, welches man zu besteigen hat. Von dem Ross wird man dreimal über die ganze Welt getragen und dann zu dem Luftschloss der Laima, welches in ihrem Lustgarten steht. Dort liegen viele Muscheln und man erhält von der Laima die Erlaub-nis, eine zu nehmen. In den Muscheln, welche alle das gleiche Aussehen haben, sind verschiedene Dinge enthalten: in der einen liegen Heilmittel gegen Krankheiten, in der anderen ist langes Leben enthalten, in der dritten Klugheit oder Schönheit oder Tu-gend oder aber Geld, welches sich stets in der Muschel befindet, so oft man dieselbe öffnet und von deren Inhalt nimmt.

Hat man eine Muschel genommen, so wird man von dem Ross wieder zur Stelle in den Wald gebracht. Das Ross wird zum Geist und dieser verschwindet. Fortan ist man im Besitz der Gabe, welche man der Laima verdankt.

Märchen von Winter und Weihnacht

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Warum der Bär einen Stummelschwanz hat – aus dem Märchenbuch „Märchen für Winter und Weihnacht“ von Brunhilde Noffke (HG.)

Der Bär begegnete einmal dem Fuchs, der mit einem Bund Fische herangeschlichen kam, das er gestohlen hatte. »Wo hast du das her?« fragte der Bär.

»Ich bin beim Angeln gewesen, Herr Bär!« antwortete der Fuchs. Da bekam der Bär auch Lust, das Angeln zu erlernen, und er bat den Fuchs, ihm zu sagen, wie er es anstellen solle.

»Das ist für dich eine einfache Kunst«, antwortete der Fuchs, »und sie ist bald gelernt. Du brauchst nur aufs Eis zu gehen, dir ein Loch zu hauen und den Schwanz hinein-zustecken,und dann musst du ihn schön lange so halten.Du musst dich nicht darum kümmern, ob es darin prickelt: denn dann beißt der Fisch an; je länger du ihn so halten kannst, desto mehr Fische bekommst du. Und ganz plötzlich musst du ihn dann mit einem Ruck heraufziehen!«

Ja, der Bär tat, wie ihm der Fuchs gesagt hatte, und hielt den Schwanz lange, lange ins Loch hinein, bis er schön fest-gefroren war. Dann zog er mit einem Ruck – den Schwanz ab, und heutzutage noch geht er mit einem Stummel-schwanz umher.

Russische Märchen

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Der Zaubermeister – aus dem Märchenbuch „Russische Märchen“ von Sigrid Früh

In einem Zarenreich, in einem Reich, da lebte einmal ein IMatrose, der diente dem Zaren in Treue und führte ein ordentliches Leben. Da bat er einmal um ein paar freie Tage und ging in eine Stadt in ein Wirtshaus. Er bestellte Wein und zu essen,und ließ es sich wohl sein. Er bestellte bald dies und bestellte bald jenes.

Und der Wirt sprach: »Matrose, hast du auch genug Rubel, um dies alles zu bezahlen?« »Ach, Bruderherz, am Geld fehlt es nicht, ich habe mehr als genug davon«, sprach der Matrose und holte ein Gold-stück aus der Tasche und warf es auf den Tisch. Der Wirt nahm das Goldstück und wollte ihm ein paar Münzen zu-rückgeben. »Behalt’s«, sprach der Matrose, »das ist dein Trinkgeld.«

Am anderen Tag ging der Matrose wieder in das Wirts-haus und bestellte Wein und zu essen, und ließ es sich wohl sein.Er bestellte bald dies und bestellte bald jenes und bezahl-te mit einem Goldstück und ließ sich nichts zurückgeben.

Nachdem dies eine ganze Zahl von Tagen so gegangen war, da sprach der Wirt: »Was hat das zu bedeuten? Ein einfacher Matrose, der so mit dem Geld um sich wirft? Der hat irgendwo die Staatskasse bestohlen. Man muß Meldung ma-chen, sonst gerät man noch in eine üble Geschichte hinein.«

So erstattete er dem Kapitän Meldung, und dieser ließ den Matrosen zu sich kommen und sprach zu dem Matrosen: »Gib es zu, du hast gestohlen.« Da sprach der Matrose: »Von diesem Geld gibt es in jeder Müllgrube genug, ich hab’s nicht gestohlen.« »Was erzählst du für Lügen?« sprach der Kapitän. Und der Matrose sprach: »Ich erzähle keine Lügen, der Wirt erzählt Märchen.

Er soll die Goldstücke zeigen.« Da wurde die Schatulle vom Wirt gebracht und geöffnet. Sie war mit lauter Knöpfen gefüllt. Der Kapitän sprach: »Matrose, zeig mir, wie du das ge-macht hast. Bezahlt hast du mit Gold, und nun sind es Knöp-fe.«

Da sprach der Matrose: »Euer Ehren, unser letztes Stünd-lein ist gekommen, seht nur.« Da sehen sie, wie durch alle Fenster und Türen das Wasser hereinströmt. Es steigt immer höher und höher, und es reicht ihnen bis zum Hals. »Um Gottes willen!« rief der Kapitän,»wie können wir uns retten, wir ertrinken!«

Da sprach der Matrose: »Wir kriechen durch den Schornstein auf das Dach.« So kletterten sie aufs Dach und sahen, daß die ganze Stadt unter Wasser stand. Viele Häuser waren schon gar nicht mehr zu sehen. Jetzt ist unser letztes Stünd-lein gekommen, dachte der Kapitän.

Da kam auf einmal ein kleines Boot daher und blieb am Dach hängen. »Wir steigen in das Boot«, sprach der Matro-se, und sie stiegen hinein und fuhren ab.

Das Boot trieb sie über das Wasser, und sie trieben einen Tag, und sie trieben ei-nen zweiten und am dritten Tag, da fiel das Wasser, und die Erde wurde trocken. Sie waren durch dreimal neun Länder getrieben ins dreimal zehnte Zarenreich.

Märchen - Landschaft in Russland

Märchen – Landschaft in Russland

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

»Wie kommen wir wieder zurück in unsere Heimat? Wir haben kein Geld«, sprach der Kapitän.»Wir müssen uns als Knechte verdingen«, erwiderte der Matrose. Da gingen sie in ein Dorf und boten sich als Hirten an. Der Matrose ging als Oberhirt und der Kapitän als Hirtenjunge. So hüteten sie bis zum Herbst das Vieh des Dorfes.

Dann sammelten sie bei den Bauern das Geld ein und fingen an, es zu teilen. Der Matrose teilte das Geld in zwei Hälften. Da war der Kapitän gekränkt und sprach: »Ich bin doch Ka-pitän, und du bist nur ein Matrose.«
Da sprach der Matrose: »Hört, hört, von Rechts wegen müßte ich eigentlich drei Teile machen, nämlich zwei für mich und einen für Euer Ehren, weil ich ein richtiger Hirte war, ihr aber nur ein Hirtenjunge.«

Da fing der Kapitän an,den Matrosen derart zu beschimp-fen, daß man es gar nicht sagen kann. Da stieß ihn der Ma-trose mit der Faust in die Seite und sprach: »Kommt zu euch, Kapitän!«

Da kam der Kapitän zu sich, und er sah, daß er wie vorher in seinem Zimmer gewesen war, und er getraute sich nicht mehr, auch nur ein einziges Wort zu sagen, entließ den Ma-trosen, ohne ihn zu richten, und der Gastwirt stand mit lee-ren Händen da.

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Märchenrätsel

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